Demografietag: „Heimat ist dort, wo die Eltern sind“


Alltag selbst gestalten, mitreden und Teil der Gemeinschaft bleiben

Selbstbestimmt leben im Alter – davon träumen wir alle. So lange wie irgend möglich zu Hause in den eigenen vier Wänden bleiben. Was können die Gemeinden vor Ort dazu beitragen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht? Dazu referierte Gabi Frank-Mantowski, Leiterin der Landesleitstelle „Gut leben im Alter“ im rheinland-pfälzischen Sozialministerium. Sie gliederte das Alter in drei ganz unterschiedliche Phasen: Die aktive, in der viel gereist und unternommen wird, die mit ersten Einschränkungen und als dritte die mit zunehmender Häuslichkeit aus unterschiedlichen Gründen. In allen Zeiten will man den Alltag selbst gestalten, mitreden und Teil der Gemeinschaft bleiben. Dabei helfen Seniorenbeiräte, -treffs, Bewegungsangebote, Mobilitätsmöglichkeiten wie Senioren- oder Ruftaxi. Vieles, das die Fachfrau nannte, ist auf dem Maifeld schon umgesetzt. So gibt es beispielsweise Seniorentreffs und –taxis, Digitalbotschafter (beide saßen im Publikum), dazu in 12 von 18 Maifelder Kommunen BewegungsbegleiterInnen. Neu dazu kommt nächstes Jahr das Angebot der Gemeindeschwester plus.

Digitalisierung gehört zu unserem Alltag

Egal ob in jungen oder späten Jahren – Digitalisierung betrifft alle Alters- und Lebensbereiche. Sonja Gröndgen, Chief Digital Officer der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz, stellte den Weg zur smarten sprich intelligenten Region vor.  Mayen-Koblenz ist einer der wenigen Landkreise, die in das Förderprogramm des Bundesinnenministeriums aufgenommen wurden. Videocall, What´sApp, Netflix, Online-Banking, PayPal, Netflix, Online-Ticketkauf – Digitalisierung ist schon jetzt nicht mehr wegzudenken, wird aber künftig noch ausgebaut. Tele-Arztsprechstunden, Online-Plattformen für Mobilitätsangebote, Wissensplattformen – vieles ist denkbar in „MYK10“. Alle BürgerInnen sind eingeladen, ihre Ideen und ihre Erfahrungen mit einzubringen.

Die Studierenden Jasmin Machowiak, Cindy Bohlscheid und Naemie Pargaliauskis im Gespräch mit Sonja Gröntgen.

Neue Wohnformen für die Babyboomer

Drittes großes Thema war die Zukunft des Bauens im ländlichen Raum. Marc Battenfeld, der auch als Lehrbeauftragter an der Hochschule Koblenz tätig ist und die Veranstaltung mit Studierenden vorbereitet hatte, stellte Beispiele für Innen- und Außenentwicklung in den Kommunen vor. Sein Fazit: Mit Neubaugebieten lässt sich wegen der hohen Kosten für die Sozialinfrastruktur kein Geld verdienen. Nach der derzeit hohen Baunachfrage geht er von einem starken Einbruch in den nächsten 10 bis 15 Jahren aus. „Schon jetzt leben in vielen Häusern nur noch ein oder zwei Leute“, berichtete er und erinnerte an den großen Zuzug junger Familien in den 80-er oder 90-er Jahren. Jetzt sind die Kinder ausgezogen und die Eltern zurückgeblieben. „Die Babyboomer werden nach neuen Wohnformen fragen, um hier zu bleiben.“ Sein Appell: „Wir müssen die Großelterngeneration auf dem Maifeld lassen. Dann gibt es auch die Chance für die Wiederansiedlung junger Familien, denn Heimat ist dort, wo die Eltern wohnen.“