über die schulter geschaut

Anneliese Feller - Die Tafel in Polch

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     Sortiert Waren, die vorher von den Fahrern in den Geschäften abgeholt werden, koordiniert, wer, wann, wo im Einsatz ist. Telefoniert viel und ist vor allem mit ganz viel Herz dabei. Ihr liegen die Menschen am Herzen, das wird vom ersten Moment an deutlich: „Uns geht’s doch gut, es gibt so viele Menschen, die nicht genug Geld haben, um gut leben zu können. Das bedeutet heutzutage, dass man im Abseits steht. Mit der Tafel können wir zumindest einen Teil dazu beitragen, dass sie Lebensmittel bekommen und so vielleicht ein wenig Geld dafür übrighaben, mal einen Ausflug mitzumachen oder sich etwas zum Anziehen zu kaufen“.

    Die 74-Jährige engagiert sich schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich, nun ist die Ur-Polcherin – die 36 Jahre nicht hier gewohnt hat – seit einiger Zeit in ihrer Heimat zurück. Auch hier hat sie wieder ein Ehrenamt gesucht und relativ schnell bei der Tafel gefunden. Genau wie ihr Mann, der zunächst nicht mit von der Partie war, aber schleichend mitgezogen wurde. Heute bilden die beiden ein hervorragendes Team, das zusammen mit vielen Fahrern, Packern und Sortierern die Tafel mit Leben erfüllt. „Hier gibt’s immer und auch für jeden was zu tun! Selbst die ältesten Helfer (zum Beispiel die 84-jährige Frau Wild) werden gebraucht, zum Sichten und Sortieren von Obst und einfach, um dabei zu sein. Das, was wir hier machen, läuft nicht nur in eine Richtung. Die Menschen, die hier mitarbeiten, bekommen das gute Gefühl zu helfen, gebraucht zu werden und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, strahlt Anneliese Feller.


    Die Corona-Pandemie macht auch vor der Hilfe der Tafel nicht Halt, die Essensausgabe, die zugehörige Kleiderkammer und auch das Begegnungscafé im alten Krankenhaus können nicht mehr wie gewohnt stattfinden. Aber auch da gibt es Möglichkeiten, „wir haben einen Bringservice organisiert. Ungefähr 100 Haushalte stehen gerade auf unserer Liste, unser Einzugsgebiet geht bis an die Mosel. Das heißt, die Leute melden sich bei uns an, statt herzukommen und so beliefern wir sie. Und weil wir die meisten kennen, packen wir die Kisten ein bisschen individueller, mit den Sachen, die die Menschen mögen oder eher brauchen“, grinst sie verschwörerisch.

    Unterstützt wird die Tafel von den ansässigen Lebensmittelgeschäften oder auch großen Maifelder Unternehmen, wie beispielsweise „Griesson de Beukelaer“ oder auch „Die Lohner’s“. Dadurch ist die Auswahl recht groß, gleichzeitig mahnt Anneliese Feller auch die Wegwerfgesellschaft an: „Man sollte selbst drauf achten, nicht so viel wegzuwerfen, Dinge weiterzuverwenden oder auch weiterzugeben. Es macht so viel Spaß nachhaltig zu sein und dabei etwas Gutes zu tun. Es ist ein Geschenk, dass wir so fit sind und dabei sein dürfen! Und für depressiv zu werden, haste hier keine Zeit“, lacht sie. Man glaubt es ihr aufs Wort und ist gedanklich schon bei den eigenen Möglichkeiten, wie man helfen könnte. „Mein Wunsch wäre zum einen, dass die Vorurteile, die bestehen, abnehmen würden. Viele denken immer noch pauschal, dass es so etwas wie eine Niederlage ist, wenn man zur Tafel geht. Tatsächlich ist es aber so, dass jeder in solch eine Situation kommen kann. Zum anderen wäre es toll, wenn auch die, die derzeit noch vor einer Hemmschwelle stehen, das Angebot der Tafel zu nutzen, auf uns zukommen würden. Wir sind für alle da, die es brauchen! Und ich hoffe so sehr, dass wir auch das Begegnungscafé im nächsten Jahr wieder öffnen können!“ Der persönliche Kontakt ist der fitten Mittsiebzigerin besonders wichtig.


    Aber Lebensmittel sind noch nicht alles! Beim Rundgang durch das alte Krankenhaus, in dem Anneliese Feller sozusagen seit ihrer Geburt und durch ihr halbes Leben verwurzelt ist, wird deutlich, dass hier Menschen mit riesengroßen Herzen bei der Arbeit sind. In liebevoller Kleinarbeit werden hier nicht nur Kisten mit Grundversorung gepackt, sondern es gibt auch etwas für die Kinder zu Weihnachten „Die Damen, die hier einpacken und in den Jahren ohne Corona unsere Tombola mit tollen Geschenken vorbereitet haben, sind wirklich Künstler“, berichtet die Polcherin ganz emotional. Hier sind mehr als nur ein Engel am Werk – Danke an diese tollen Ehrenamtler, die enorm viel Zeit aufbringen, um vielen Menschen das Leben etwas leichter oder auch bunter zu gestalten!!