über die schulter geschaut

Guido Lacher

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    Der heute 56-Jährige wollte nicht schon sein Leben lang in den Dienst der Kirche treten. In der Schulzeit war er so an Naturwissenschaften interessiert, dass er eigentlich den Plan hatte, Pharmazie zu studieren und Apotheker zu werden. Über eine Schulfreundin, die sich entschloss Theologie zu studieren, kam er dann jedoch zum Priesterberuf. „Ich war zu Beginn gespannt, wie das werden würde, aber es hat sich gut entwickelt und so habe ich in Trier studiert und war auch jeweils ein Jahr in Wien und Münster.“ Aufgewachsen ist Guido Lacher gar nicht so weit vom Maifeld entfernt, in Bad Hönningen, in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Seit 2010 ist er Pfarrer auf dem Maifeld und fühlt sich hier pudelwohl: „Es ist faszinierend, wie vielfältig die Landschaft hier ist, wenn man vom Hochkreuz in Kollig schaut und einem das Maifeld zu Füßen liegt oder, wenn ich die Kirche hier in Münstermaifeld betrete, dann geht mir das Herz auf“, schwärmt er. „Ich empfinde eine große Dankbarkeit, das hat schon in der Jugend begonnen und in meinem Beruf kann ich davon einen Teil weiter- bzw. zurückgeben, das bedeutet mir sehr viel. Ich habe die Möglichkeit Menschen in verschiedenen – auch schwierigen – Situationen zu begleiten.“ Und der Beruf umfasst weit mehr, als sonntags die Heilige Messe zu feiern – auch wenn das eine seiner größten Freuden ist. „Vor allem arbeite ich sehr viele Verwaltungsangelegenheiten ab, vor der Corona-Pandemie fand fast jeden Abend eine Gremiensitzung statt, was nun tatsächlich digital erledigt wird. Aber ich verbringe recht viel Zeit am Schreibtisch. Dabei bin ich Seelsorger von ganzem Herzen“, erzählt er. „Der Kontakt mit den Menschen ist so wichtig für meine Arbeit und ich bekomme auch viel zurück, beispielsweise das Vertrauen der Gemeindemitglieder.“



    Und wenn doch mal ein bisschen Zeit übrig ist? Zum Beispiel im Zahnarztwartezimmer. Dann greift der Pfarrer gerne mal zum E-Book-Reader und schmökert in einem spannenden Krimi. Und eine Leidenschaft, die ihn schon sein ganzes Leben begleitet, ist das Singen in mehreren Chören – und das fehlt ihm während der Corona-Pandemie in der Kirche am meisten. Immerhin geht Gottesdienst in Echt wieder, „aber ohne Singen ist es nicht dasselbe“, gesteht er. Und ganz generell stellt die Corona-Pandemie auch die katholische Kirchengemeinde vor Herausforderungen. „Damals als der Lockdown kam, waren wir wie in einer Schockstarre, man musste sich erstmal neu zurechtfinden. Zudem fiel das ganz Zentrale, der Gottesdienst, der gemeinsam gefeiert wird, einfach weg. Wir haben versucht, den Menschen etwas mitzugeben für nach Hause. Aber wir haben auch festgestellt, dass viele, die vielleicht eher gewohnheitsmäßig die Kirche besuchen, sich nun fragen, inwiefern sie es noch brauchen. Grade auch ältere Menschen werden vielleicht auch in Zukunft die Messe im Fernsehen verfolgen und nicht mehr vor Ort dabei sein.“ Er sieht ganz realistisch, dass die Kirche bereits einen Veränderungsprozess durchmacht, der durch die Pandemie allenfalls beschleunigt wurde. „Und da muss ich einfach sagen, es gefällt mir natürlich nicht, aber wir müssen es so annehmen und mit der Zeit gehen“, erklärt er. Pfarrer Guido Lacher schaut gerne über den Tellerrand und lässt sich von anderen Kulturen inspirieren, er reist gerne nach Asien und hat dort schon viele Ecken gesehen. „Und da sind Kultur und Religionen wirklich interessant, beispielsweise können Paare sich an einem Tag gleich in mehreren Religionen trauen bzw. segnen lassen“, erklärt er, beeindruckt von dieser Offenheit.

    „Aktuell, in der dunklen Jahreszeit und in der Situation in der wir uns dieses Jahr befinden, hilft es mir oft, eine passende Bibelstelle zu lesen und eine Kerze anzuzünden. Gerade das Licht, das man auch weitergeben kann, hat eine große Bedeutung. Und der tröstliche Gedanke, dass dies nicht das Ende ist.“ Wir wünschen Pastor Lacher frohe Weihnachten und sind gespannt, ob ein Thriller unterm Baum liegt!