über die schulter geschaut

Ingo Schrooten

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    Seine Studien-, aber auch Berufszeit war immer auch kämpferisch – geprägt von Auseinandersetzungen, mit sich, mit Gott, mit der Gesellschaft und mit Blick auf Dinge, „die so nicht in Ordnung sind, und dann muss man aufstehen und etwas tun“, erklärt er. Nach einigen Stationen im Ruhrgebiet, wo er herstammt, ist er in Polch gelandet. So berichtet er lachend: „Das war recht schnell entschieden damals. Ich hatte die Anzeige gesehen, erkannt, dass es da um meine Themen ging und nach einem Gottesdienstbesuch hier, habe ich meine Bewerbung geschrieben und das hat geklappt.“ Frieden, Gerechtigkeit, Erhaltung der Schöpfung und das in der Südeifel. Aber ja, obwohl ihn eigentlich was Städtischeres interessiert hatte. „Bereut habe ich es bis heute nicht, ich liebe diese Landschaft hier, dass Leute mit den Autos anhalten, um sich zu unterhalten oder mit dem Trecker Einkaufen fahren“, grinst er.

    In einer vergleichsweise jungen Gemeinde kann er einem seiner besonderen Anliegen nachgehen: der Jugendarbeit. Der Konfirmandenunterricht, der so gestaltet ist, dass Jugendliche selbst zum Lehren angeleitet werden, ist einer seiner Schwerpunkte. „Es ist möglich hier etwas, aber auch jemanden zu bewegen, in der Jugendarbeit wird das deutlich. Einmal im Jahr fahren wir nach Holland zum Segeln, das ist natürlich ein besonderes Highlight, wobei viel gelernt wird über Teamarbeit und das Zusammenleben. In diesem Jahr mussten wir aufgrund der Corona-Pandemie die Gruppe stark verkleinern und waren „nur“ auf der Mosel unterwegs, aber immerhin“, erzählt der Fan von Meer UND Bergen. Der gerne reist und dabei die Natur genießt, einmal im Jahr beim „Männersegeln“ und genauso gerne mit der Familie zum Radeln und Wandern in den Bergen, „denn Berge machen keinen Stress“.


    Die Corona-Pandemie hat auch die Gemeinde vor Herausforderungen gestellt, „aber letztlich empfand ich den Lockdown im Frühjahr als ruhig und entrissen aus der Tretmühle des Alltags. Unser Angebot ‚Gottesdienst zu Hause‘ wurde sehr gut angenommen und im Sommer konnte man ein bisschen was nachholen. Aber jetzt stelle ich zunehmend fest, dass Menschen isoliert sind und auch mit Ängsten kämpfen. Auch bei den Jugendlichen. „Einigen tut es sicher gut, in der Adventszeit nicht so getrieben zu sein, da viele Termine einfach wegfallen. Aber ohne den direkten Kontakt ist es nicht so einfach. Wir bringen den ‚Gottesdienst zu Hause‘ persönlich zu den Leuten und da entstehen zumindest ‚Tür und Angel-Gespräche‘. Ganz persönlich kann ich sagen, dass Corona mich dazu gebracht hat, häufiger zu kochen und was Neues zu probieren, grade habe ich Kürbis für mich entdeckt“, lacht er.

    Die Arbeit in der Gemeinde ist ein großer Teil seiner Tätigkeit, Gottesdienste, die nicht immer er hält, da auch dies hier im Team gemacht wird, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. „Und das mache ich wirklich gerne, natürlich ist der Anlass nicht schön, aber man kann Menschen in dem Moment etwas Gutes tun, sie in der Trauer begleiten und das ist mir wirklich wichtig“. Aber die evangelische Kirche engagiert sich darüber hinaus in vielen Bereichen, wie in der Flüchtlingsarbeit, hier war sie an der Einstellung einer Flüchtlingskoordinatorin mit beteiligt und hat das ‚Café Grenzenlos‘ mit ins Leben gerufen, um nur einige Beispiele zu nennen. Pfarrer Schrooten arbeitet zusätzlich gerne wissenschaftlich, liest und schreibt viel. „Und dann wollte ich dieses Jahr noch mal ein Semester zum Thema Altes Testament studieren, als Fortbildung in Tübingen. Das war leider wegen der Pandemie nicht möglich, aber ich erhoffe es mir fürs nächste Jahr“. Auch die Partnerschaftsarbeit liegt ihm seit Jahrzehnten am Herzen, Reisen nach Tansania zum Beispiel haben ihn darin bestärkt, in diesem Thema immer weiter aktiv zu sein.


    Und wie ist Weihnachten als Pfarrer? „Am schönsten war für mich immer die Feier mit vielen Gemeindemitgliedern nach dem letzten Gottesdienst am Heiligen Abend, manchmal bis 5 Uhr morgens. In diesem Jahr wird es anders, es gibt einen Krippenweg am alten Krankenhaus, den man nach Anmeldung besuchen kann und mehrere Gottesdienste, die in der jetzigen Zeit Halt und Zuspruch geben sollen. In der Familie ist mir der 1. Weihnachtstag wichtig, da wird gut gegessen und wir sind einfach zusammen“. Ein Weihnachtswunsch? „Eine Segelyacht“, antwortet der Naturfreund frech und lacht. Wir sind gespannt, ob die unter seinen Baum passt und wünschen von Herzen „Frohe Weihnachten!“