Wer sich früh informiert, hat Vorteile

So geht es vielen Frauen: Jahre- manchmal gar jahrzehntelang haben sie sich um Haushalt und Kinder gekümmert. Ihren Beruf und ihre eigene Karriere ließen sie ruhen und hielten dafür dem Ehemann den Rücken frei, auf dass dieser sich ganz auf seinen Aufstieg konzentrieren konnte. Auf einmal bricht die heile Welt zusammen. Die Kinder sind groß, der Mann orientiert sich um in eine andere Partnerschaft. Jetzt heißt es plötzlich: Seine Frau hätte ja arbeiten können, sie hat nur auf der faulen Haut gelegen.
Dass dies nur allzu häufig so oder ähnlich vorkommt, wurde in der Infoveranstaltung in Polch deutlich, zu der die Gleichstellungsbeauftragte der Verbandsgemeinde Maifeld, Angelika Saewe, eingeladen hatte. „Was tun, wenn Frau plötzlich alleine steht, wenn ihr Mann stirbt oder sie verlässt?“ Das war Thema des Abends mit der Münstermaifelder Rechtsanwältin Astrid Krechel. „Ich hatte mich auch noch einmal rund um das Bestattungsrecht schlau gemacht, aber den Frauen ging es in erster Linie um Scheidung und Unterhalt“, zog die Juristin nach der zweistündigen Veranstaltung Bilanz.

 


Rechtsanwältin Astrid Krechel (rechts) zeigt der Gleichstellungsbeauftragten Angelika Saewe Informationsmaterial.Nach einem Kurzvortrag beantwortete sie die Fragen der Zuhörerinnen. Dabei wurde deutlich, dass jede Menge Informationsbedarf besteht. Viele Einzelschicksale wurden angerissen. Wenn die eine Frau von ihren Problemen erzählte, nickten andere zustimmend: „So ist das bei uns auch.“
Habe ich ein Anrecht auf Unterhaltszahlungen? Kann mein Mann mich zwingen, statt der Teilzeit eine volle Stelle anzunehmen (die es oft gar nicht gibt)? Wie ist es mit der gegenseitigen Haftung der Ehepartner? Wie steht es mit dem Hausrecht in der gemeinsamen Immobilie? Was ist, wenn mein Partner dement wird, muss ich ihn dann versorgen? Dies waren nur einige der gestellten Fragen. „Egal, ob (noch) verheiratet oder geschieden, ist der Partner leistungsfähig, muss er bezahlen. Das gilt natürlich auch für die Partnerin. Erst wenn kein Anspruch auf durchsetzbaren Unterhalt mehr besteht, sind beide nicht mehr in die Pflicht zu nehmen“, wusste Astrid Krechel.
Sie informierte über Unterhaltsanspruch und Aufstockungsunterhalt und ging auch auf Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung sowie Betreuungsverfügung ein. Dabei betonte Astrid Krechel die Nützlichkeit der Dokumente, warnte aber gleichzeitig: „Die Vollmachten bergen Risiken, weil sie auch missbraucht werden können. Sie müssen jedoch nicht alles aus der Hand geben.“ Die Juristin sprach die verschiedenen Phasen einer Trennung an. Die Zeit vorher, in der es wichtig sein kann, Papiere sicherzustellen, die Auskunft z. B. über Verdienst und Vermögen geben, der Beginn der Trennung (das Datum muss festgehalten werden) und die Trennung selbst.
„Ungerechtigkeiten sind da, aber Argumentation ist alles. Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen“, gab Sie den Frauen mit auf den Weg. „Manches funktioniert, manches geht auch nicht. Grundsätzlich gilt: Wer sich rechtzeitig informiert und im Bedarfsfalle Hilfsangebote z.B. des Jugendamtes in Anspruch nimmt, hat Vorteile.“

In der nächsten Informationsveranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten geht es im November um das Thema „Altersvorsorge für Frauen: Welche Möglichkeiten habe ich privat und gesetzlich?“ Eine Referentin der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz  gibt Tipps und beantwortet Fragen.

 
 
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