„Wechseljahre sind Ernte- und Genussjahre“

Ist die Menopause der Frau, gemeinhin bezeichnet als Wechseljahre, gleichzusetzen mit Altwerden, Hitzewallungen, grauen Haaren und körperlichen Beschwerden und müssen sich Männer mit zunehmendem Alter und abnehmendem Testosteronspiegel generell mit Leistungsabfall und Stimmungsschwankungen herumschlagen? „Nein! Das Gegenteil ist der Fall. Grundsätzlich sind die sogenannten Wechseljahre keine Krankheit. Vielmehr sind sie eine Chance, kritisch Bilanz zu ziehen und noch einmal ganz neu durchzustarten.“ Das meinte Referentin Martina Bang-Dosio, die auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Verbandsgemeinde Maifeld, Angelika Saewe, im Ratssaal der Verbandsgemeinde Maifeld zum Thema Wechseljahre referierte. Knapp 40 interessierte Frauen und (drei) Männer („Schließlich haben auch wir Männer unsere Wechseljahre“) waren dabei.

 


Angelika Saewe und Martina Bang-Dosio.Während der Wechseljahre auftretende Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden, betonte die Referentin, die seit 30 Jahren in der Ernährungs- und Gesundheitsberatung tätig ist. Denn sie könnten Hinweis auf bestehende Erkrankungen sein, die behandelt werden sollten. Ihrer Erfahrung nach liegen die Ursachen von Krankheiten in der persönlichen Veranlagung und der Lebensführung der vergangenen Jahrzehnte. Während der Wechseljahre könnten sich diese Faktoren bemerkbar machen, so dass oft fälschlich angenommen werde,  die Menopause sei Ursache der Symptome.
Darüberhinaus empfänden Menschen die körperlichen und seelischen Veränderungen, die mit dem Wandel verbunden sind, sehr individuell und unterschiedlich.  Martina Bang-Dosio: „Oft entscheidet die innere Haltung gegenüber dem neuen Lebensabschnitt darüber, wie heftig und unangenehm wir  Hitzewallungen und Schlafstörungen erleben, bzw. wie unbeschwert wir durch diese Zeit gehen. Je mehr die  Wechseljahre als natürlicher Lebens-Prozess  und positive Entwicklung angenommen werden, desto größer ist die Chance,  sich unbelastet  zu neuen Ufern auf den Weg zu machen.“ In Mexiko und Japan gebe es beispielsweise gar kein Wort für Hitzewallungen, da sie dort bisher unbekannt seien.
Im positiven Sinne könnten diese Symptome als Zeichen dafür gelten, dass etwas in Wallung geraten ist: „Persönliche Werte und Lebenskoordinaten ordnen sich neu und es kommt zu einem inneren Energieschub, den es auszunutzen gilt.“  Medizinisch werden die Wechseljahre  etwa sieben Jahre vor und nach der letzten Regelblutung angesiedelt. Im Durchschnitt beginnen sie mit 44 Jahren.  Auch bei Männern spricht man mittlerweile von Wechseljahren, die meist einige Zeit  später einsetzen. 
Literatur zum Thema.Bang-Dosio verwies auf die Schweizer Psychotherapeutin Julia Onken, die die Lebensenergie der verschiedenen Lebensphasen als Orchester bezeichnete: „Im  fortgeschrittenen Alter spielen wir andere Töne als in der Jugend, jedoch nicht unbedingt weniger kraftvoll. Viele Menschen erleben sich gerade in reiferen Jahren  gelassener, freier und durchsetzungsstärker als je zuvor, nehmen sich mehr Zeit für ihre Bedürfnisse, tragen mit Stolz  ihre Falten und ergrauten Haare und schöpfen aus reichhaltiger Lebenserfahrung.“   
Natürlich hat die Gesundheits- und Kosmetikindustrie das Thema Wechseljahre längst entdeckt und verdient kräftig an den Schreckgespenstern, die sie selbst an die Wand malt. Älter werden soll mit allen Mitteln verhindert  und unsichtbar gemacht werden.  Anti-Aging heißt die Zauberformel. „Doch die Mittel, die uns faltenfrei, ohne graue Haare, fit und beschwerdefrei machen sollen, haben ihre negativen Kehrseiten, halten meist nicht, was sie versprechen  und belasten Umwelt und Gesundheit erheblich“, meinte die Referentin, die Nahrungsergänzungsmittel, Botox, Haarfärbemittel, Osteoporosebehandlung  und Hormontherapie kritisch beleuchtete.  Stattdessen empfahl sie Naturheilverfahren wie gesunde Ernährung, Bewegung, Entspannungsverfahren, pflanzliche Mittel, Homöopathie und Kneipp-Maßnahmen zur Behandlung möglicher Beschwerden.  
„Wechseljahre sind keine Verlustjahre, sondern Ernte- und Genussjahre“, stellte Martina Referentin Bang-Dosio klar, die mit dem Themenabend Frauen und Männern Mut machen wollte, freudig, neugierig und selbstbewusst den ganz eigenen, ganz persönlichen Weg durch die Wechseljahre zu suchen und zu gehen. Denn: „Das ganze Leben ist beständiger Wandel, nicht nur die Phase der abnehmenden körperlichen Fruchtbarkeit. Geistige und seelische Fruchtbarkeit können stets weiter wachsen und uns immer wieder neue, kreative Lebensphasen bescheren.“

 
 
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