Besiedelt seit über 7000 Jahren: Polch war ein Brennpunkt der Geschichte

Sandsäcke markierten Fundstellen, an denen dann gegraben wurde.

Ob in der Steinzeit, der Eisenzeit, bei den Römern, Franken oder Kelten - das fruchtbare Maifeld war stets beliebter Siedlungsort. Seit die ehemaligen Jäger und Sammler vor über 7000 Jahren sesshaft wurden, war unsere Region durchgehend bewohnt.

 

Bei den archäologischen Ausgrabungen in Polch auf dem ca. 20 Hektar großen Gelände im Bereich Vor Geisenach/Im Bruch konnten die Fachleute einen tiefen Blick in die Vergangenheit werfen und erkannten: „Polch war immer ein Hotspot“ oder Brennpunkt. Ein Ort, der seit tausenden von Jahren eine große Anziehung auf Menschen ausübt.

Ausgrabungen in Vor Geisenach/Im Bruch.Für die Archäologen war es ein Glücksfall. Wann sonst schon können sie ein solch großes zusammenhängendes Gebiet untersuchen? Von geomagnetischen Messungen wusste man, dass die bisher als Ackerland genutzte Fläche am Außenbereich von Polch Grüße aus der Zeit unserer Urahnen bietet und vor einer weiteren Nutzung untersucht werden muss. So gehörte das als Industriegebiet der Stadt Polch vorgesehene Gebiet dann im März 2015 erst einmal den Fachleuten der Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz. 

Unter der Leitung von Dr. Cliff Jost entdeckten sie Siedlungen und einzelne Gräber der Jungsteinzeit (Ende 6. - 3. Jahrtausend v. Chr.) sowie ein Gräberfeld der jüngeren Bronze- und älteren Eisenzeit (10 – 5. Jahrhundert v. Chr.) mit rund 50 Urnen- und Körperbestattungen. Außerdem eine eisenzeitliche Siedlung (7. – 3. Jahrhundert v. Chr.) und einen römischen Gutshof aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. mit aufwendigen unterirdischen Wasserleitungen.

„Wir haben tolle Befunde gemacht, die die Siedlungsgeschichte Polchs dokumentieren“, sagt Dr. Cliff Jost. Die Schätze der Vergangenheit wurden geborgen und ins Archiv der Landesarchäologie nach Koblenz gebracht, wo sie für die Nachwelt erhalten bleiben.

Ende Oktober haben die Altertumsforscher das Gelände geräumt und wieder eingeebnet. Die von weitem leuchtenden Sandsäcke zur Markierung der Fundstellen sind verschwunden. Jetzt steht der weiteren Nutzung der 20 Hektar nichts mehr im Wege.