In der Toilette entsorgt: 170 t Restmüll landen jährlich im Kanal

Kanal unter der Straße

Feuchttücher und Küchenrolle sind „tödlich“ für den Kanal, denn ganz im Gegensatz zu Toilettenpapier verwittern diese reißfesten Haushaltshelfer nicht, sondern sammeln sich zu unterirdischen Riesenknäueln. Im Kanal gesellten sich schon Windeln, Strümpfe, Plastiktüten, Kondome, Hygieneartikel, Lappen, Zigarettenkippen, Verpackungen und Arzneimittel dazu – und verstopften die Rohre bzw. sorgten in den Kläranlagen für riesige Abfallberge.

 

Restmüll im Kanal.Die Zahlen erschrecken: 170 Tonnen Restmüll fallen alljährlich an unseren Kläranlagen im Nothbachtal, in Ochtendung, Welling, Ruitsch und im Wallerbachtal an. Das sind nahezu 20 schwere Sattelzüge. Ca. alle vier Wochen müssen die Container abgeholt werden, in denen alles landet, was die riesigen Rechenanlagen bei der mechanischen Reinigung unserer Abwässer aus den Becken fischen.
Es scheint ja auch ganz einfach: rein in die Toilette, abspülen, fertig. Aus den Augen, aus dem Sinn. Pustekuchen – die Kosten für die aufwendige Entsorgung von Müll aus der Kläranlage tragen wir alle. Aber oft genug knubbeln sich die Abfälle schon beim Hausanschluss oder unterwegs in den unterirdischen „Wasserstraßen“ und verstopfen die Rohre. Spätestens wenn die Abwasserbrühe in den Keller läuft, wird Alarm geschlagen. Dann laufen beim Abwasserwerk die Telefondrähte heiß, Techniker rücken aus und entdecken in den meisten Fällen, dass die Verstopfung im Bereich des Hausanschlusses liegt sprich selbst verschuldet ist. Durch eingewachsene Wurzeln, abgesackte Rohre oder eben Abfälle im Kanal. Dann hilft oft nur noch der Kanalreinigungsdienst. Auf eigene Kosten, versteht sich.
In den seltensten Fällen liegt die Ursache in der Zuständigkeit des Abwasserwerks, das jährlich 450.000 Euro für Kanalsanierungen ausgibt und das unterirdische Rohrnetz bei regelmäßigen Kamerabefahrungen überprüft. Bei aller Vorsorge: Gegen unliebsame Bewohner kann wenig ausgerichtet werden. Kanalratten ernähren sich von den Essensresten im Abwasser und solange Essbares in den Abfluss gekippt wird, ist ihr Überleben garantiert.