Polch hat sein Heimatmuseum zurück: „Christinas Stuben“ wird wiedereröffnet

Diese Würze kannte schon die Uroma

Polch hat sein Heimatmuseum „Christinas Stube“ wieder. Nach umfangreicher Sanierung wird am Wochenende 7. und 8. September Eröffnung gefeiert. Samstags und sonntags sind von 11 bis 18 Uhr Tage der offenen Tür im Bienengarten 6 in Polch. Bei freiem Eintritt dürfen die Besucher viel erleben: Im Vorderhaus erfahren sie, wie um 1900 auf dem Maifeld gelebt wurde. In der rückwärtigen Galerie sind Bilder der Polcher Künstlerin und Museumsgründerin Gisela Ackermann-Minwegen sowie der Mertlocher Malerin Anne Noll zu sehen. Im Verbindungsgang stehen Puppen und Puppenstuben von anno dazumal. Dazu lädt der wieder hergerichtete alte Bauerngarten mit dem lauschigen Pavillon zum Verweilen und Genießen ein.

 

Heimatmuseum Christinas Stube1983 nach dem Tod ihrer Mutter Christine wandelte Gisela Ackermann ihr 1860 vom Großvater erbautes Elternhaus in das Heimatmuseum „Christinas Stube“ um, in dem neben den Möbeln aus der Zeit der Jahrhundertwende u.a. auch original Porzellan, Wäsche, Küchenutensilien und Spielsachen bewahrt wurden. Zeit ihres Lebens ergänzte sie diese Sammlung und stellte auch eine umfangreiche Kollektion wertvoller alter Puppen und Puppenstuben zusammen. Als sie 2014 plötzlich verstarb hinterließ die Künstlerin ganze Lager alter Schätze. Ihr Herzenswunsch: Das Museum und die Sammlungen sollten erhalten bleiben.
In dem Bett hätte heute wohl nur noch ein Kind Platz. Dieses Anliegen hat die Ende 2016 neu gegründete Stiftung Gisela und Fred Ackermann-Minwegen unter der Regie der Eheleute Georgi umgesetzt. „Unsere Aufgabe war es, Museum und Sammlung wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Dafür ist jetzt gesorgt: Ab dem zweiten Septemberwochenende steht „Christinas Stube“ mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr für Besucher offen. Der Eintritt ist frei.
Blick in die Stube.„Allein gut drei Jahre dauerte es, den Erbschein zu bekommen, so konnten wir erst im Februar 2018 anfangen zu arbeiten“, berichtet Dieter Georgi von der Stiftung Gisela und Fred Ackermann-Minwegen über den schwierigen Weg durch Instanzen und Behörden. Nachdem ein Gutachter belegt hatte, dass keine (modernen) feuerfesten Türen nötig sind, wurden die Elektrik beider Häuser komplett erneuert, die Heizung und die Fenster im Museum ausgetauscht. Das hintere Haus bekam ein neues Dach, das vordere einen neuen Innenanstrich, den der Polcher Malermeister Curt Jessen in praktisch vergessener Technik mit alten Gummirollen auftrug.
Auch der Museumsgarten wurde hergerichtet.Das Problem: Es gab keine Baupläne, an den Häusern im Bienengarten 6 war jahrzehntelang nichts gemacht worden, was Segen und Fluch zugleich darstellte. So zeigte sich während der aus Versicherungs- und technischen Gründen notwendigen Renovierungsphase die ein oder andere neue Baustelle. So war beispielsweise der Bagger an einem Tag plötzlich verschwunden, weil in eine alte neun Quadratmeter große Klärgrube vor dem Wohnhaus gestürzt. An Teilen der Treppe hatte der Holzwurm sich breitgemacht. „Es gab pausenlos Überraschungen, trotzdem hat alles gut funktioniert. Wir haben bis auf einen Mertlocher ausschließlich Polcher Handwerker beauftragt“, fasst Dieter Georgi zusammen, der mit seiner Frau Monika und weiteren ehrenamtlichen Helfern im Einsatz war.
Die Polcher Künstlerin Gisela Ackermann-Minwegen gründete das Museum.Es musste mehr erneuert werden als ursprünglich gedacht. Entsprechend verzögerte sich die Neueröffnung und die Baukosten stiegen. Sie konnten aber aus dem Vermögen Gisela Ackermanns finanziert werden. Die liebenswerte stets freundliche Maifelderin hatte immer sehr sparsam gelebt, die Pension ihres Schweizer Ehemannes Fred Ackermann kaum angerührt und mit dem Verkauf ihrer Bilder und kunstvoll bemalter Gänse- wie Enteneier Geld verdient, das sie fast komplett in Unterhalt und Neuanschaffungen u. a. auch historischer Puppenstuben steckte.
Schon in Jugendjahren entdeckte die gebürtige Kölnerin, die mit zwei Jahren mit ihrer Mutter wieder nach Polch zog, ihre künstlerische Ader. Davon zeugen noch ihre Zeichenblöcke aus der Schule. Mit 14 fertigte sie ihren ersten Scherenschnitt. Ca. 50 ihrer Bilder sind noch im Besitz der Stiftung, dazu 72 Eier. „Insgesamt hat Gisela in ihrem Leben bestimmt 1000 Eier bemalt, viele davon aber als Zahlungsmittel eingesetzt oder verschenkt“, sagen die Georgis, die ihre Freundin als „stets bescheidene, aber hochbegabte Künstlerin“ in Erinnerung haben und ihr Erbe mit der Stiftung bewahren.
Das eigentliche Museum „Christinas Stube“ führt die Besucher zurück in die Zeit um 1900, als die guten Stuben die einzigen beheizten Räume im Haus waren und in den (oft eiskalten) Kammern geschlafen wurde. Im ersten Stock des komplett original eingerichteten typisch Eifler Bruchsteinhauses aus der Biedermeierzeit lässt beispielsweise ein Ehebett Gedanken über den Platzbedarf der damaligen Zeit zu: Auf 110 mal 170 Zentimetern schliefen zwei Personen!
Hier sind auch alte Puppen und Puppenstuben zu sehen.Wer durch einen Verbindungsgang in die zum Wohnhaus umgebauten frühere Scheune geht, kann Puppenstuben aus der Zeit von 1880 bis 1930, wertvolle Stücke der berühmten thüringischen Puppenmanufakturen und handgemachte Künstlerpuppen namhafter Puppenmacherinnen bestaunen.
Im Anbau selbst, dem ehemaligen Wohnhaus der Ackermanns, wurde neben der Stiftungsverwaltung eine Galerie eingerichtet. Auf der einen Seite sind Bilder von Gisela Ackermann-Minwegen zu sehen, auf der anderen wechseln die Ausstellungen junger Künstler. Außerdem findet sich hier noch eine Bibliothek mit Büchern aller wissenschaftlichen und literarischen Bereiche aus zwei Jahrhunderten und ein Raum für Veranstaltungen rund um Kunst und Kultur.
Auch vom Maifeld-Radweg wurde eine Zuwegung zum Heimatmuseum geschaffen. So gelangen Radfahrer und Spaziergänger von der alten Bahntrasse aus in den Bienengarten 6, wo sie Museum, Galerie und den romantischen Museumsgarten genießen können.

Der Eintritt ist frei. Es steht ein Spendentopf bereit, dessen Inhalt ausschließlich für die Unterhaltung der Einrichtung genutzt wird.
Gruppen können auf Anfrage (Telefon 02654 406 2245 oder 0160 949 216 12) auch außerhalb der Öffnungszeiten (Mittwoch, Samstag, Sonntag, 14 – 18 Uhr kommen.


 
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