Sanierung soll 2020 abgeschlossen sein: Ochtendung hat „seine“ Burg bald wieder

Schönes Mauerwerk.

Burg Wernerseck wird für die nächsten 40, 50 Jahre gesichert. Wenn ausstehende Maurerarbeiten erledigt sind und eine 6,50 Meter hohe Stahltreppe aufgestellt ist, kann der Bergfried erstmals dauerhaft begangen werden. Voraussichtlich im Frühjahr 2020 soll die umfangreiche Sanierungsmaßnahme abgeschlossen sein. Dann wird das über 600 Jahre alte historische Bauwerk in einem symbolischen Akt der Öffentlichkeit übergeben - und die Ochtendunger haben ihre Burg wieder.

 

Burg Wernerseck.Bauwerk für Jahrzehnte konserviert
Erhalten oder dem Verfall preisgeben – vor dieser Frage stand die Ortsgemeinde schon 1963, als sie die Burg für einen Preis von einer D-Mark von einem ansässigen Bimsunternehmer übernahm. Es folgten Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie 1984 die offizielle Unterschutzstellung durch die Untere Denkmalschutzbehörde. 2004 bis 2007 standen die Sanierung und Überdachung des Bergfrieds an. Vorvergangenes, vergangenes und dieses Jahr wurden Mauerwerk und Abdeckungen der drei einsturzgefährdeten Ringmauern teils erneuert und das kleine Wirtschaftsgebäude ausgebessert sprich „Substanz erhaltende Maßnahmen“ vorgenommen, die das Bauwerk für die nächsten Jahrzehnte konservieren sollen.
So sah die Burgruine vor der Sanierung aus.Weiter Blick auf Ochtendung, Pellenz, Rhein und Westerwald
Derzeit werden noch Maurerarbeiten erledigt und vor allem die geplante Treppe fehlt. Die 6,50 Meter hohe Metallkonstruktion soll fest installiert werden und erstmals dauerhaft die Besteigung des Bergfrieds ermöglichen. Wer dann die äußeren Stufen erklommen und unter Führung im Inneren des Turms noch knapp zehn Meter überwunden hat, erreicht die Dachplattform. Von dort aus kann er bei hoffentlich klarem Wetter den Blick auf Ochtendung und die Pellenz sowie über den Rhein hinweg bis zum Westerwald genießen.
Zeichen der Macht und der Stärke
Dabei bekommt er einen kleinen Eindruck davon, wie sich vor ca. 600 Jahren der Amtmann des Trierischen Kurfürsten und Erzbischofs gefühlt haben mag, der dort oben in der Vogtei Ochtendung lebte und alles im Blick hatte, was „zu seinen Füßen“ geschah. Die trutzige Wehranlage demonstrierte Macht und Stärke seines Herrn sowie den Willen, diesen Machtanspruch auch militärisch zu verteidigen.

Baustelle RingmauerStarkes Bollwerk des Erzstiftes Trier
Auch wenn Burg Wernerseck oder die Keltersburg, wie sie landläufig genannt wird, in den vergangenen Jahrhunderten viel Substanz verloren hat und zeitweise dem Verfall preisgegeben war, wirkt die Wehranlage hoch über Ochtendung und Saffig immer noch imposant. Ende des 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts als offizieller Sitz des Amtmannes der kurtrierischen Vogtei auf einem schmalen, von der Nette umflossenen Felsrücken erbaut, zeigte der Trierer Erzbischof und Kurfürst hier seine Macht. Als Wernerseck um 1600 seine militärische Bedeutung als Bollwerk des Erzstiftes Trier gegen Kurköln verlor, nachdem die ehemals fremde Pellenz auch kurtrierisch geworden war, zog der Vogt in eine (nicht mehr vorhandene) Burg im Ortskern von Ochtendung um. Das trutzige Bauwerk im Distrikt Auf der Keltershausburg verlor seine Bedeutung und erlebte fortan eine wechselhafte Geschichte.
Die nach ihrem Erbauer Werner von Falckenstein benannte Burg ging zunächst als Lehen an die Grafen von Eltz und wurde 1815 von Emmerich Joseph von Eltz-Rübenach schließlich an den „Steuernehmer“ Hugo Burret aus Saffig verkauft. Die Geschichtsunterlagen berichten nach dem Ersten Weltkrieg von der Familie Schleynitz als neue Eigentümer, die den Besitz 1957 an den Ochtendunger Bimsunternehmer Cyriak Weiler veräußerte. Als die Denkmalschutzbehörden Sanierungsmaßnahmen verlangten, übereignete dieser die Ruine für einen symbolischen Preis an die Ortsgemeinde.
Auch Enkel und Urenkel sollen Burg Wernerseck noch besuchen können
Seitdem liegt die Zukunft der Burg in der Hand der Kommune. Immer wieder gab es Diskussionen über die notwendigen Kosten für die Erhaltung der auf halber Strecke zwischen Ochtendung und Plaidt gelegene Burgruine. Mit Hilfe von Fördergeldern hat die Ortsgemeinde in den vergangenen Jahren für die nötigsten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten gesorgt und dabei auch selbst tief in die Tasche gegriffen. 2018/´19 allein etwa 170.000 Euro. Mit an die 500.000 Euro aus dem Investitionsstock übernahm das Land Rheinland-Pfalz den größten Batzen der Kosten für die jüngsten Sanierungsmaßnahmen. Über Denkmalschutzsonderprogramme steuerte der Bund ca. 170.000 Euro bei. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gab nahezu 50.000 Euro dazu. Weitere gut 18.000 Euro kamen durch Spenden von Banken, Firmen und dem Förderverein Burg Wernerseck dazu.
Dieser 2004 gegründete Förderverein hat innerhalb der Ringmauern auch eine Sitzgruppe gemauert, die Wanderer zur Rast einladen soll. Überhaupt ist die mit dem Kfz nur von Plaidt aus über einen Feldweg erreichbare Burg, am besten per pedes zu erobern. Von der Heseler Mühle aus lenkt ein kurzer Fußweg den Spaziergänger direkt zum Ziel. Wer größere Strecken laufen will: Der Eifelverein-Wanderweg „Nette-Natur-Weg“ (früher Rhein-Kyll-Weg) geht direkt an Wernerseck vorbei.
Darüber freut sich Günther Gries, Vorstandsmitglied des Fördervereins Burg Wernerseck ganz besonders. Seit Jahren setzt er sich mit seinen Mitstreitern für die Erhaltung des Kulturdenkmals als Zeugnis des mittelalterlichen Wehrbaus ein. Dafür rühren sie tüchtig die Werbetrommel, so haben sich beispielsweise 26 Ochtendunger gefunden, die alljährlich an ihrem Geburtstag 100 Euro für Wernerseck spenden. Dafür lassen sie auch nicht nach, bei öffentlichen Mandatsträgern und Behörden immer wieder für ihre Burg vorzusprechen. „Wir haben sowohl bei der Ortsgemeinde als auch bei der Verbandsgemeinde und dem Landkreis offene Türen eingerannt, viele Fördertöpfe wurden angezapft“, sagt der studierte Architekt Gries und dankt allen privaten und öffentlichen Unterstützern. Sein Herzensanliegen: „Meine Enkel und Urenkel sollen unsere Burg Wernerseck noch besuchen können“. Diesem Ziel ist er auf jeden Fall bald nähergekommen.

 
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