Aus der Geschichte von Polch

Das Alter von Polch an der Römerstraße Trier-Koblenz gelegen -ist durch zahlreiche vorgeschichtliche Funde im Ort selbst und in der Gemarkung hinlänglich belegt. Die Herkunft des Namens soll sich von dem keltischen “poliacum“ erklären. Urkundlich wird uns die Siedlung zum ersten Mal im Jahre 1052 bekannt. Erzbischof Eberhard von Trier und Graf Walram von Arlons bestätigten sich damals einen Güteraustausch. Um die Lage des maifeldischen Stiftes aufzubessern, verschenkte der Trierer Stuhl seinen neuerworbenen Besitz in “Pulicha in pago Meneueldensi“ im gleichen Jahr nach Münstermaifeld. In dieser Urkunde wird schon eine “basilica“, d.h. eine größere Kirche genannt. Nun beginnt ein über Jahrhunderte gehender Kampf, Freiheit von dem alles beherrschenden Stift zu erlangen. So erscheint uns der Ort immer wieder unter den verschiedenen Schreibungen wie “Policho, Pulch, Polecha, Polche, Polischa“ oder „Bulicha“ in den Urkunden. Lange überschnitten sich geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit. Während der Münstermaifelder Probst Jahrhunderte als Nebenarchidiakon die geistliche Gewalt in Polch ausübte (mit jederzeitigem Visitationsrecht, Pfarrereinsatz und Zehntabgabe), wird das Dorf selbst noch 1528 vom Kaiser als Reichsgut behandelt; es war jedoch nicht wie Gappenach „Kaiserfrei“, sondern entsandte einen Heimburgen zum Hochgericht Münstermaifeld. Die Territorialgewalt übten zeitweilig die Herren von Kobern aus, anschließend kam es unter den Einfluss der Virneburger Grafen.

Dagegen ist die heutige Ortskirche, dem byzantinisch-romanischen Stil nachempfunden, ein Bau aus den Jahren 1849 - 52, nach den Plänen des Koblenzer Baumeisters Hermann Nebel. Sie steht auf dem Platz der alten Kapelle, die damals nicht einmal mehr die Hälfte der Pfarrkinder fasste. Über diese Vorgängerin wissen wir wenig, doch soll der Altar im Jahre 1209 konsekriert (konsekrieren=weihen) worden sein. Alt sind auch zwei der Glocken, nämlich aus den Jahren 1476 und 1514.

Wie viele größere Orte war Polch in alter Zeit durch Wall und Wassergraben befestigt. Die heutige Laßportstraße erinnert noch an den westlichen Ausgang. Neben den geistlichen Besitzern (St. Matthias, Trier, Deutscher Orden, Jesuiten Koblenz, Klöster Engelport, Himmerod, Niederwerth, Boppard u.a.) hatten auch viele weltliche Grundherren hier ihre Zehnthöfe (die Ritter von Eltz, von Pyrmont, von Bassenheim, von Schöneck, von Girsenach, von der Layen, von Naunheim und von Mertloch). Urkundlich ist auch ein Polcher Rittergeschlecht vielerorts genannt - erstmalig 1283 Johannes und Theoderich - an deren Burg im Ort heute noch die Burgstraße erinnert. Es soll eine Sumpf- oder Wasserburg gewesen sein, in der Nähe des alten Ortsteiles “Viedel“ (auch “Oberpolch“).

Heute ist er längst mit Polch zusammengewachsen; Rivalitäten, wie sie noch im vergangenen Jahrhundert zwischen den Bewohnern beider Ortsteile bestanden, gibt es nicht mehr; aber Viedel hat noch einige Vereine und feiert auch noch eigene Feste (etwa die Viedeler Kirmes). Über das Schicksal einer weiteren bei Polch gelegenen Siedlung, Geisenach mit Namen, liegt allerdings das Dunkel der Geschichte.

Ein Kleinod von unschätzbarem Wert stellt die St. Georgskapelle dar, in deren Umgebung im Jahre 1809 der heutige Friedhof angelegt wurde. Sie ist gewiss eine der ältesten Kirchen des Maifeldes, um die sich auch einige Sagen und Legenden ranken. W. Weyres, der nachmalige Kölner Dombaumeister, glaubt, dass das Schiff im 11. Jahrhundert erbaut, der Turm ein Jahrhundert später hinzugefügt wurde. Urkundlich ist sie 1275 erstmalig erwähnt. Sie soll Versammlungsort der Ritter oder der Genossenschaft der adeligen Höfer, Erben und Märker beim Polcher Dingtag gewesen sein. Ein aus dem 13. Jahrhundert stammendes “Weistum von Polch“ gibt uns über die Sitzungsregularien Auskunft.

Als schöner Profanbau ist der ehemalige Hof der Trierer Abtei St. Matthias zu nennen, eine dreiflügelige Barockanlage mit einem hohen zweigeschossigen Dach, im Volksmund “Mattheiserhof“ genannt. Die Wappendarstellung am Giebel trägt die Jahreszahl 1748. Der Hofeingang zeigt zwei Pfeiler mit Pilastern, bekrönt mit Kugeln, die Blattdekor aufweisen.

Während der Säkularisation ging der geistliche Besitz in private Hand über. Aus alter Zeit besitzt Polch heute noch große Waldungen (“Cond“ und “Polcher Holz“) in der Gemarkung Monreal. Unter französischer Besatzung wurde Polch im Arrondissement Koblenz Sitz einer Kantionalverwaltung mit den Mairien Polch und Mertloch. In preußischer Zeit trat dann unter Eingliederung von Mertloch eine Amtsverwaltung an die Stelle, die zum ehemaligen Kreis Mayen gehörte.

Während die 1848er Revolution außer der Gründung einer Bürgerwehr in Polch keine Auswirkungen zeigte, war das in den Kulturkampfjahren anders: es bildeten sich zwei Parteien, die sich nahezu ein Jahrzehnt (1873 - 81) erbittert bekämpften. Während der damalige Pastor Pesch unverständlichermaßen auf Seiten des Staates stand, wurde ein Kaplan, Heinrich Volk, nach einem Prozess “wegen unerlaubter Amtshandlungen“ für längere Wochen in Koblenz gefangen gesetzt. Am Tag seiner Wiederkehr ging gegen die jubelnde Bevölkerung die Polizei vor. Bei diesen Unruhen wurden sechs Bürger verhaftet und zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt.

Durch die Erschließung neuer Baugebiete nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl von Polch stark. Im Zuge der rheinlandpfälzischen Verwaltungs- und Funktionsreform wurde der Ort im Jahre 1970 Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Maifeld.

Industrieansiedlung hat die Lage der arbeitenden Bevölkerung, von denen früher viele Pendler waren, wesentlich gebessert.

Der heute rund 6.900 Einwohner zählenden Gemeinde (mit den Ortsteilen Ruitsch, Kaan und Nettesürsch) wurden am 19.12.1987 die Stadtrechte verliehen.

 
 
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